Claudia Schick: Drei Minuten für ein ganzes Berufsleben
Sie hält das Vereinsleben am Laufen – im Hintergrund, oft leise, aber mit Wirkung. Claudia Schick macht die Finanzbuchhaltung der Freiburger Turnerschaft von 1844 e.V. (FT) – und das schon seit vielen Jahren.
Die ehemalige Stürmerin des SC Freiburg begann 1996 ihre Ausbildung zur Bürokauffrau in der FT-Geschäftsstelle – nach einem dreiminütigen Vorstellungsgespräch. „Herr Hasper kam etwas zu spät und ich musste pünktlich weg. So blieb eigentlich nur Zeit, ihm meine Bewerbungsunterlagen zu geben“, erzählt sie lachend. Kurz darauf saß sie im Bus nach Berlin – mit ihrer Mannschaft der SpVgg Wehr, die sie bald verlassen sollte, um beim SC Freiburg zu spielen.Der Kontakt zur FT kam durch Achim Stocker, damaliger Präsident des SC Freiburg und großer Förderer des Frauenfußballs, zustande. Sein Ziel war es die SC Frauen in die erste Bundesliga zu bringen – mit Spielerinnen wie Claudia Schick. Gemeinsam mit Birgit Bauer-Schick, die damals schon für den Frauen-Fußball verantwortlich war, wollte Stocker die junge Wehrerin nach Freiburg holen. Dafür brauchte er jedoch einen Ausbildungsplatz für Claudia Schick. Auf Stockers Initiative klopfte Bauer-Schick in der Schwarzwaldstraße 181 an und überzeugte den damaligen Geschäftsführer Walter Hasper von der Idee eine Ausbildungsstelle zu schaffen. Eine glückliche Fügung: Die FT hatte eine Auszubildende, der SC eine neue Spielerin, und Claudia Schick einen kurzen Weg zum Trainingsplatz – denn die SC-Frauen trainierten damals im FT-Sportpark.„Vieles war damals anders“, erinnert sich Schick. „Wir waren neben der Geschäftsleitung zu sechst in der Geschäftsstelle. Mitgliedsausweise haben wir von Hand geschrieben, mit einer Maschine, die ohrenbetäubend laut war. Wer eine Hallenbad-Berechtigung hatte, bekam ein Loch hineingestanzt und jeder fertige Ausweis wurde auf der langen Mitgliederliste abgehakt.“ Schon damals hatte die FT rund 4.000 Mitglieder – und neben dem Mitgliedsausweis bekamen die Mitglieder auch das FIT-Magazin zu geschickt. Die entsprechenden Etiketten wurden von Hand aufgeklebt. „Es ist spannend, Teil einer solchen Entwicklung zu sein“, sagt Schick. „Ich habe in dieser Zeit unendlich viel gelernt“.Heute verantwortet sie die Finanzbuchhaltung und große Teile des für den Verein so wichtigen Zuschusswesens. Zahlreiche große Zusatzprojekte hat sie dabei neben dem Tagesgeschäft begleitet: vom Umbau des Olympiahauses 2010 über die Sanierung des Hallenbads bis zum Bau der Sportgrundschule, der Act-Now-Halle und dem jüngsten Großprojekt der Umsetzung des Zukunftskonzepts. „In den 2000ern begann eine enorme Professionalisierung“, erzählt sie. Auch in der Buchhaltung: „Ich kann mich noch gut an das Programm Daisy erinnern. Da hat man seine Buchungen quasi ins Schwarze getippt – und erst, wenn man die Daten ans Rechenzentrum geschickt hatte, gesehen, welchen Fehler man gemacht hat“, sagt sie lachend. „Datev ist da schon ein echter Segen“, fügt sie hinzu.Auch sportlich hat sie eine Entwicklung miterlebt. Mit den SC-Frauen stieg sie Ende der 1990er in die erste Bundesliga auf. Drei Jahre hat sie beim SC Freiburg gespielt – dann wurde die Doppelbelastung mit Vollzeit-Job und Leistungssport zu viel. Claudia Schick spielte in einer Zeit Fußball, als Frauenfußball noch deutlich weniger Aufmerksamkeit bekam. „Ich musste nach einer Verletzung am Fuß barfuß Rekonvaleszenzläufe machen. Da bin ich natürlich auf den Rasen. Allerdings wurde ich dann höflich gebeten doch auf dem Hartplatz zu laufen, weil der Rasen den Männern vorbehalten war“, erzählt sie lachend. „Ja, es hat sich vieles verändert – zum Glück – aber es ist auch gut, zu wissen, woher man kommt – dann nimmt man Dinge nicht als selbstverständlich war,“ fügt sie hinzu.Diese Haltung prägt auch ihre Arbeit: engagiert, verlässlich, vereinsorientiert und mit einem feinen Sinn für das Machbare. Claudia Schick behält den Überblick – auch dann, wenn andere schon längst den Taschenrechner ins Eck werfen würden. Wer Claudia Schick kennt, ahnt: Da gibt es noch einige unterhaltsame Anekdoten aus ihren Jahren in der FT – doch die, so viel sei verraten, entlockt man ihr am ehesten in entspannter Atmosphäre und unter vier Augen. Es lohnt sich.