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Guylene Obrecht & Nadine Thoma

Guylene Obrecht und Nadine Thoma sind seit über 25 Jahren Erzieherinnen in der Sportkindertagesstätte der FT 1844 Freiburg. Was als Zufall begann, ist längst eine Lebensgeschichte geworden – und eine Partnerschaft, die so mancher Ehe das Wasser reichen kann.

Ein Zufall namens FT
Es war keine große Planung dahinter, als Guylene Obrecht im September 2000 als Anerkennungspraktikantin im Sportkindergarten anfing – der damals noch im Ballettsaal untergebracht war. Sie hatte einen Tipp bekommen, dass eine Praktikumsstelle bei der FT frei wäre. „Ich hab vorher noch nie was von der FT gehört.“ Heute, 26 Jahre später, ist die FT ihr bestens bekannt.

Die Bedingungen waren damals überschaubar: Der Ballettsaal war morgens Kindergarten und nachmittags stand er dem Sport zur Verfügung. Das Anerkennungsjahr gefiel ihr so gut, dass sie unbedingt bleiben wollte. Eine Stelle war aber nicht frei und die Praktikantenstelle ließ sich nicht umwandeln. Also machte Guylene ein Angebot: Sie würde für das Praktikantengehalt ein weiteres Jahr arbeiten. „Ich wollte unbedingt dableiben“, sagt sie schlicht. Und so blieb sie als ausgebildete Erzieherin zunächst mit Praktikantengehalt.

Ihre Anerkennungspraktikantenstelle bekam 2001 Nadine Thoma – auch sie kannte die FT vorher nicht, auch sie hatte keine großen Erwartungen, auch sie ist geblieben. Nach der gemeinsamen Praktikantenzeit wechselten beide ins Olympiahaus in die Sportkindertagesstätte, die damals noch einen Hort hatte. Seitdem sind die beiden ein Team. „Wir hatten schon Silberhochzeit“, sagt Guylene lachend.

Eine Ehe ohne Trauschein
Wer die beiden erlebt, erkennt schnell: Das ist kein Arbeitsverhältnis, das ist eine eingespielte Partnerschaft. Nadine ist die Organisierte, Guylene die Spontane. Und doch, wenn man sie fragt, wer welche Rolle übernimmt, winken beide ab. „Wir machen alles zusammen. Da gibt es keine klare Rollenverteilung.“ Das blind funktionierende Miteinander ist über Jahre gewachsen – durch die gemeinsam verbrachte Zeit in der Kita und außerhalb, durch Krisen und durch die ganz normalen Lebensabschnitte, die man einfach zusammen durchlebt.

Als Guylene in den Mutterschutz gehen wollte, sollte es eine Übergangslösung mit einer anderen Leitung geben – das kam für Guylene aber nicht in Frage. Sie kam einfach früher als geplant zurück. „Wir trennen uns ja nicht, solange es keiner will“, bringt Guylene es lachend auf den Punkt.

Wie in einer guten Ehe kommt es aber natürlich auch mal zu Diskussionen. Einmal hat es auch richtig geknallt, erzählt Guylene. Und dann? „Wir sind froh, dass es nicht zur Scheidung kam“, sagen beide lachend.

„Wir gehen halt zum Schlafen nach Hause“
Die Sportkita ist für die beiden kein Arbeitsplatz im klassischen Sinne. „Wir wohnen ja auch mietfrei“, scherzt Guylene – und meint es nur halb als Scherz. Freitagnachmittags, wenn die letzten Kinder weg sind, sitzt man schon mal noch zusammen, teilt sich das eine oder andere Glas und lässt den Tag ausklingen.

Sie lieben ihre Kita im Olyhaus – und das war nicht immer so selbstverständlich wie heute. „Bevor das Olyhaus 2010 saniert wurde, war es schon krass hier“, erzählt Guylene. Im Obergeschoss, wo heute die Sportkinderkrippe untergebracht ist, wohnten damals die Zivis. An der ein oder anderen Stelle hat es reingeregnet, und das Haus war mehr oder weniger rund um die Uhr geöffnet. „Die Eingangstür war so verzogen, dass Abschließen nicht möglich war“, erzählt Nadine lachend. „Die Zivis waren damals auch in unserem Alter – das war schon eine witzige Zeit“, fügt Guylene hinzu. Wer heute die sanierte Kita sieht, kann sich das kaum noch vorstellen. Aber zuhause ist da, wo man sich wohlfühlt – und nicht zwingend da, wo das Parkett am meisten glänzt. Das Olyhaus ist für Guylene und Nadine ein Stück Heimat. Und das soll es auch für die Kinder sein: ein weiteres Zuhause.

Was sie antreibt, ist nicht schwer zu erklären: Beide lieben ihre Arbeit und diesen Ort. Nicht als Floskel, sondern als gelebte Haltung. Als die Kita während Corona zwangsgeschlossen wurde, waren es für Guylene die schlimmsten Wochen. Als dann klar wurde, dass Systemrelevante wieder arbeiten durften, rief sie kurzerhand eine Mutter an, die einen systemrelevanten Job hatte – und betreute erst einmal nur dieses eine Kind. „Ich bin pfeifend hergefahren, weil ich wieder arbeiten durfte“, erinnert sie sich. Nadine kam in dieser Zeit freiwillig vorbei, um Portfolios zu bearbeiten – einfach weil ihr die Arbeit und das Olyhaus fehlten.

Sport, Hunde und ein bisschen Abstand
Beide sind dem Sport tief verbunden – kein Zufall bei einer Sportkita. Nadine hat 17 Jahre Fußball gespielt und fühlt sich auf einem Sportplatz sofort zuhause. Guylene kommt vom Handball und schaltet heute beim Spaziergang mit ihren beiden Galgos ab, zwei schlanken Windhunden, die auf den ersten Blick gar nicht zu ihrer spontanen, lauten Art passen wollen – und es doch irgendwie tun. „Ihre Hunde sehen aus wie ich“, sagt Nadine trocken. Man darf das getrost als Kompliment verstehen.

Nicht bei Wünsch dir was
Was die beiden pädagogisch auszeichnet, lässt sich in einem Satz zusammenfassen, den sie selbst gerne zitieren: „Wir sind hier nicht bei Wünsch dir was, sondern bei So ist es.“ Das klingt strenger als es gemeint ist. Denn hinter dieser Haltung steckt eine tiefe Überzeugung: Kinder sollen sich in der Kita wie zuhause fühlen – nicht abgegeben, sondern aufgehoben. Und zum Zuhause gehört neben dem wertschätzenden und liebevollen Miteinander eben auch, dass man mal eine Regel befolgen muss, sich in die Gruppe einfügt und das eigene Bedürfnis nicht immer an erster Stelle steht.

Dass das funktioniert, zeigen nicht zuletzt die Kinder und Eltern, die noch immer vorbeikommen – oder laut Hallo rufen, wenn sie einer der beiden außerhalb der FT begegnen. „Das ist toll, wenn man irgendwo unterwegs ist und jemand ruft: Hallo Guylene!“, erzählt Guylene lachend – auch wenn ihr Partner dann manchmal murrt: „Mit dir kann man nirgends hingehen.“

„Ich bin sehr dankbar, dass wir uns haben“, sagt Nadine am Ende des Gesprächs leise. Und dass sie ihre Kita haben. Guylene nickt. Mehr braucht es fast nicht.

 

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