Zum Inhalt springen

Holger Kray

Holger Kray: Immer auf der Matte geblieben

„Judo ist für mich der perfekte Ausgleich zu meinem Job“, sagt Holger Kray, 57 Jahre alt, der sich beruflich mit IT/OT-Compliance befasst. Seit seinem fünften Lebensjahr ist die japanische Kampfsportart seine Sportart – abgesehen von einer kleinen Unterbrechung in den Teenagerjahren. Vorzugsweise praktiziert er Judo im heimischen FT-Dojo, aber auch gerne in Dojos weltweit. Zahlreiche nationale Titel, vor allem bei den Veteranen (Ü30), hat er in dieser Sportart schon gewonnen. Holger Kray brennt für seinen Sport und liebt es auf der Matte zu kämpfen. Trotz einer Schulterentzündung, die seine Beweglichkeit derzeit schmerzhaft einschränkt, ist er zuversichtlich bald wieder in den Wettkampfbetrieb einzusteigen. Sein aktuelles Ziel: die WM der Veteranen im europäischen Judo-Mekka Paris im November. „In Paris zu starten, das wäre schon was“, sagt er, der sich zudem ehrenamtlich als Judo-Abteilungsleiter engagiert.

Als Holger Kray 1973 im Alter von fünf Jahren seine ersten Judo-Techniken bei Christa Rausch lernte, gab es zunächst nur eine Judoschule für Kinder. 1978 wurde dann die Judo-Abteilung gegründet und das Trainingsangebot ausgeweitet. In die Gründungszeit der Abteilung fällt auch sein erster Trainerwechsel – wann genau Dimitru Botnariu, ein Rumäne, sein Trainer wurde, weiß Kray nicht mehr genau. Dass dieser Wechsel sehr eindrucksvoll war, steht außer Zweifel. „Boti war ein ganz anderer Trainertyp – osteuropäische Judoschule“, erzählt Holger Kray. „Er hat ein super Training gemacht, aber Disziplin stand über allem. Wer gequatscht hat, musste 50 Kniebeugen machen. Manchmal hatte ich das Gefühl, das Training im Kniebeugenmodus zu absolvieren“, ergänzt er schmunzelnd.
Das Dojo befand sich damals unter der Burdahalle. Nebenan war die Muckibude. „Es hat sich unglaublich viel verändert“, erzählt Kray. Vom Untergeschoss zog die Abteilung dann ins Erdgeschoss um, seither befindet sich das Dojo dort. Vor 2 Jahren musste die Judoabteilung wegen umfangreicher Sanierungs- und Neubaumaßnahmen im Zuge des Zukunftskonzepts vorübergehend ins ZO umziehen. Seit April diesen Jahres sind sie wieder zurück in der nun größeren und renovierten Judohalle, die fast fertig ist. „Es fehlen noch Kletterseile“, erzählt Holger Kray – ein perfektes Mittel, um Griffkraft zu trainieren. Für eine gute Griffkraft sind die Franzosen bekannt, die in Europa die führende Judonation sind – ebenso wie für ihr technisches Judo, weiß Kray zu berichten, der schon häufig in französischen Dojos mittrainiert hat. „Wir besuchen regelmäßig französische Dojos“, sagt Kray, der seit 2009 die Judo-Abteilung leitet. „Das macht allen immer großen Spaß und man lernt viel für den Sport und darüber hinaus“, fügt er hinzu. Die Judo-Abteilung ist ein offener, internationaler Haufen. „Bei uns trainieren die unterschiedlichsten Nationalitäten miteinander“, erklärt Kray. „Ich habe durch das Judo Menschen kennengelernt, die ich sonst nie kennengelernt hätte“, fügt der Vater zweier Söhne – die natürlich auch Judo praktizieren – an. Nicht nur französische Dojos kennt Kray gut: Wenn er im Urlaub nicht klettert oder radelt, macht er gern mal Dojo-Hopping! So verschlug es ihn auch schon in ein kasachisches Dojo in Almaty. „In der Judo-Welt ist es nicht ungewöhnlich, einfach in ein anderes Dojo zu gehen und mitzutrainieren. Das ist völlig unproblematisch und man ist immer willkommen“, erzählt Kray. „Nur nach Japan habe ich es bisher noch nicht geschafft. Das ist noch ein unerfüllter Traum”, fügt er hinzu. Immerhin konnte er bei einem Austausch mit japanischen Judokas aus Freiburgs Partnerstadt Matsuyama trainieren: 30 japanische Judokas besuchten Freiburg eine Woche lang. „Beim Freundschaftskampf in der Burdahalle wurde die Baden-Württembergische-Junioren-Auswahl von den jüngeren Kadetten aus Matsuyama regelrecht verkloppt“, erzählt Kray lachend. 
Niederlagen gehören zum Sport dazu – im Judo können sie schnell und schmerzhaft sein. „Ein Kampf dauert vier Minuten. Die Konzentration über diese Zeit hochzuhalten, ist nicht leicht“, erklärt Kray. Wenn es ungünstig läuft, kann nach wenigen Sekunden Schluss sein. „Das ist mir zum Glück noch nie passiert“, sagt Holger Kray augenzwinkernd.

Die Judo-Abteilung zählt seit vielen Jahren zu den großen und erfolgreichen Abteilungen. Nach einer Pause hat sie nun seit einigen Jahren wieder einen hauptamtlichen Judotrainer. „Um unseren Haupttrainer Daniel haben wir ein kompetentes Trainerteam entwickelt. Wir können nun ein breites Angebot anbieten“, erklärt Kray, der selbst noch als Trainer auf der Matte steht. Mit den neuen Voraussetzungen im Dojo kann sich die Abteilung sicher noch weiter entwickeln. Den Grundstein für die Entwicklung legte nicht zuletzt der langjährige Abteilungsleiter Franz Jürgen Zeiser, der zweitweise auch Trainer von Holger Kray war und ihn als Judoka stark geprägt hat. „Nachdem Franz die Leitung der Abteilung abgegeben hatte, war es mir wichtig, seine Arbeit weiterzuführen. Glücklicherweise hat sich ein eingeschworenes Team entwickelt, das gemeinsam alle Herausforderungen bewältigt, die die Führung einer Abteilung mit sich bringt. Dieser Gemeinschaftssinn und Zusammenhalt sind es, die mich bis heute motivieren, die Abteilung zu leiten”, sagt Kray.

Personen wie Holger Kray, die ruhig, unaufgeregt und im Team die Abteilung organisieren, sind äußerst wertvoll. Seinen Abteilungsposten wird er hoffentlich noch lange ausüben – ebenso wie den Sport selbst. „Judo ist die perfekte Sportart für Ältere. Es trainiert den ganzen Körper; man braucht Kraft und Beweglichkeit“, erklärt Kray. An Wettkämpfen teilnehmen darf man bis zur Altersklasse M10 – also bis 75 und älter. Wenn die Veteranen-WM 2025 in Paris also nicht klappt, gibt es vielleicht noch eine WM in Japan – dem wahren Mekka des Judosports. Das wäre für ihn eine echte Alternative zu Paris! Wir sind gespannt und drücken die Daumen.
 

Title

Title